Passivhaus mit großen Panoramafenstern

Wer hat eigentlich das Passivhaus erfunden? Erfunden in dem Sinne, dass jemand etwas entwickelt hat, was es vorher noch nicht gab, hat es niemand. Vielmehr wird das Prinzip des Passivhauses schon sehr lange verwandt, und wahrscheinlich, ohne es als solches bewusst zu klassifizieren. Denn anders als in Mitteleuropa benötigen viele Klimaregionen der Welt keine Heizung und keine aktive Kühlung, wenn die Häuser den Umwelteinflüssen angepasst gebaut sind. In Teilen Irans oder in Südchina wurden also schon immer „passive Häuser“ gebaut.

 

Nach diesem Vorbild übertrugen Forschende das Prinzip auf das mitteleuropäische Klima. Mit Erfolg: Das erste Passivhaus entstand im Rahmen des Projektes „Experimenteller Wohnungsbau Darmstadt Kranichstein K7“. Im Oktober 1991 war es fertig – das erste klassifizierte Passivhaus. Das ist nun 30 Jahre her. Inzwischen hat sich die Passivhaus-Bauweise überall auf der Welt in der Praxis bewährt.

Wie funktioniert das Passivhaus?

Als Passivhaus werden Gebäude bezeichnet, die ihren Wärmebedarf vorwiegend aus Sonneneinstrahlung sowie Abwärme von Personen und technischen Geräten decken. Das ist möglich, da das Passivhaus-Konzept auf fünf Prinzipien basiert: sehr gute Dämmung, dreifach verglaste Fenster, die Vermeidung von Wärmebrücken, eine luftdichte Gebäudehülle sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

 

Der Restwärmebedarf und die Warmwasseraufbereitung können durch beliebige Quellen bereitgestellt werden, wie beispielsweise über eine Solaranlage und Wärmepumpe. Der Heizwärmebedarf beträgt bei Passivhäusern daher nur rund 15 kWh pro Quadratmeter im Jahr. Die Frischluftversorgung erfolgt unabhängig vom Öffnen der Fenster über eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Das verringert Energieverluste über die Fensterlüftung. Durch die Frischluftzufuhr – unabhängig vom Fensteröffnen – sind die Bewohner:innen zudem weniger Umweltbelastungen wie Staub, Lärm und Pollen ausgesetzt.

 

Nutzer:innen von Passivhäusern bestätigen ein angenehmes Wohnklima. Statt kalter Außenwände strahlen die Wände von Passivhäusern wie ein Kachelofen Wärme ab. So bleibt die Innentemperatur auf einem konstanten Niveau in allen Räumen. Der Nachteil: Im Bad ist es genau so warm wie im Schlafzimmer, wo in der Regel eine kühlere Wohlfühltemperatur gewünscht ist.

Passivhaus mit bezahlbarem Wohnen vereinbar?

Da in Passivhäusern gut auf eine klassische Heizung verzichtet werden kann, spart das Passivhaus im Vergleich zu herkömmlichen Gebäuden 75 bis 90 Prozent Heizenergiekosten. Durch die niedrigen Energiekosten sind die Nebenkosten sehr gut kalkulierbar – eine gute Grundlage für bezahlbares Wohnen im sozialen Wohnungsbau. Zudem lässt sich der Passivhaus-Standard gut mit der Erzeugung erneuerbarer Energien kombinieren. So erfüllt er auch die Anforderungen einer neuen EU-Richtlinie, die Anfang 2021 in Kraft trat, an sogenannte Fast-Nullenergiehäuser. Und nicht nur im Neubau lohnt es sich, auf das Passivhaus-Konzept zu setzen. Auch bei energetischen Sanierungen lassen sich Passivhaus-Komponenten integrieren.

Passivhaus in Holzbauweise

Auch nachhaltige Baumaterialien wie Holz in Kombination mit einer geeigneten Isolierung eignen sich für den Bau eines Passivhauses.

 

Welche Alternativen zum Passivhaus gibt es noch?

Nullenergiehaus

Die Weiterentwicklung des Passivhauses. Auf das gesamte Jahr gerechtet verbraucht es nur so viel Energie, wie es selbst auch produziert.

Plusenergiehaus

Eine Stufe weiter geht das Plusenergiehaus: Es produziert mehr Energie als seine Bewohner:innen verbrauchen und ist emissionsfrei. Erreicht wird dies unter anderem durch eine komplett regenerative Energieversorgung. Überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist, gespeichert oder zum Aufladen für Elektrofahrzeuge genutzt.

Fazit

Das Passivhaus ist mit Sicherheit für die Wohnungswirtschaft ein wichtiger Baustein, um den klimaschonenden, bezahlbaren Bauen und Wohnen heute und in Zukunft gerecht zu werden. Wer mehr über das Passivhaus erfahren möchte oder sich bei den Passive House Award 2021-Finalisten Anregungen einholen möchte, sollte diesen Freitag, den 10. September 2021, ab 18.45 Uhr in den Livestream der 25. Internationale Passivhaustagung reinschauen.

 

Und wenn Sie Unterstützung bei der Kommunikation für Ihre Neubauprojekten benötigen, berät Sie stolp+friends natürlich jederzeit gern. Rufen Sie uns an – wir freuen uns auf Ihr Projekt!